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Juice magazine 5/07

Funk war erst der Anfang
by Sascha Weigelt

Als HipHop-Head fühlt man sich von der Musik der Lefties Soul Connection schnell in eine andere Zeit zurückversetzt. Die Zeit, in der B-Boys zur Incredible Bongo Band oder Jimmy Castor Bunch ihre Kreise zogen, aus den Boxen die roughen Beats von Boogie Down Productions und Ultramagnetic MC’s dröhnten und man sich nach der Party im Yard traf. Ohne G Unit, ohne TRL, ohne Deutschrap-Euphorie. Dass auf ihren Shows auch traditionsbewusste B-Boys einlaufen, ist für die Lefties aber eher ein „erfreulicher Nebenaspekt“, wie Frontmann Alviz erklärt. Er selbst spielt seit seinem zwölften Lebensjahr Orgel, bereits mit 17 verschreib er sich in diversen Bandkonstellationen dem damals angesagten Rare Groove und Acid Jazz. Schnell jedoch langweilte ihn der glatte Clubsound und er sehnte sich nach dreckigerem, agressiverem Funk.

„Wir begannen 2001 also, eine Clubnacht namens „Struttin’“ zu veranstalten, in der wir ausschließlich Funk- und Soul-45s spielten. Irgendwann kamen wir auf die Idee, in dieser Clubnacht auch selbst eine Art The Meters-Interpretation live zu spielen. Die Sache kam ins Rollen, und binnen weniger Monate hatten wir eine komplette Band auf die Beine gestellt“, erinnert sich Alviz an die Anfangstage der Lefties Soul Connection. Inzwischen haben sich er und seine Bandkollegen Onno (Gitarre), Bram (Bass) und Cody (Schlagzeug) weit von muffigen Kellerclubs entfernt. Man sei zwar „noch keine Majorband“, aber in Amsterdam „allen ein Begriff“. Mittlerweile berichten auch größere Tageszeitungen regelmäßig über die Lefties; die letztjährige 7“ mit einer Coverversion von DJ Shadows „Organ Donor“ war ein massiver Verkaufsschlager dieses archaisch schönen Formats. Ihre Aufnahmen machen die Lefties aber nach wie vor in einer kleinen angemieteten Lagerhalle. „Wir bringen die Mikros in die richtige Position, drücken die Starttaste an unserem Tonbandgerät, und los geht es! Lediglich das Schlagzeug wird hinterher noch einmal nachbearbeitet.“ So primitiv die technischen Mittel auch sein mögen, die Band selbst ist auf ganzer Linie professionell. Ihre neue LP „Skimming The Skum“ ist anders als das Debut „Hutspot“ nicht einfach eine wilde Sammlung innerhalb von drei Jahren spontan aufgenommener Singles, sondern vielmehr ein von Beginn an durchkonzipiertes Album. „Wir haben die einzelnen Titel des neuen Albums ganz gezielt aufgenommen. Dabei war uns wichtig, eine Balance herzustellen: Auf der einen Seite wollten wir musikalischer sein, und auf der anderen Seite aber auch unseren groben Sound beibehalten.“ Veröffentlicht wird das sehr gelungene Ergebnis dieser Tage von Melting Pot Music, dem Kölner Label des renommierten Musikjournalisten Oliver von Feldbert alias DJ Olski. Natürlich. „Wir sind mit dem Label gewachsen“, erklärt Alviz die Harmonie mit der Plattenfirma. „Zunächst haben wir Olski in unseren Club eingeladen. Dort habe ich ihm dann ein Demotape gesteckt, das ihm so gut gefiel, dass er mit unserer Single „Doin’ The Thing“ sein Label begründete.“ Und auch die heimatlichen Aktivitäten gedeihen weiter prächtig: „Struttin“ läuft inzwischen im sechsten Jahr. Und finden sich B-Boys im Amsterdamer „Bitterzoet“ ein, verwandelt sich der wilde Freestyle-Funk spontan in eine Break-Session. In diesen Tagen spielen die Lefties auch exklusiv auf einem holländischen B-Boy-Battle, wie Alvin stolz erzählt. Überhaupt können sie sich für die Zukunft durchaus vorstellen, vermehrt mit HipHoppern und anderen Musikern zu kooperieren, die mit ihnen auf einer Wellenlänge liegen. Solche allerdings müssen wohl erst noch gefunden werden – denn etwas speziell sind Lefties irgendwie schon...

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